Der Befund

Was in deutschen Behördenformularen wirklich drinsteht

Diese Zahlen sind niemandes Meinung. Sie sind aus dem offenen Datenschema des Bundes gerechnet — dem FIM Schema-Repository, nach dem Behörden ihre Formulare bauen. Jeder kann sie nachrechnen; das Skript liegt offen. Wir messen ausdrücklich nicht, ob ein Formular „nervt“. Wir messen fünf Dinge, die im Schema stehen oder eben fehlen.

01 — Was gemessen wird

Fünf Indikatoren, einzeln ausgewiesen

Pflichtlast — Anteil der Felder mit Kardinalität 1:1. Ein Formular, das fast alles zur Pflicht erklärt, gibt niemandem einen Hinweis, was wirklich nötig ist.
Erklärlücke — Anteil der Felder ohne amtliche Erläuterung im Schema. Die Verwaltung verlangt die Angabe, erklärt sie aber nirgends.
Regellücke — Verzweigungen ohne hinterlegte Regel. Wenn ein Formular 35 Gruppen und null Regeln hat, existiert die Bedingungslogik nur im Kopf der Sachbearbeitung — und der Mensch davor sieht alles gleichzeitig.
Struktur — Feldzahl, Gruppen, Verschachtelungstiefe.
Abtippquote — Felder mit Registerbezug, die trotzdem von Hand einzutragen sind.
Der Gesamtscore ist eine offene gewichtete Summe dieser fünf Werte. Die Gewichte stehen im Datensatz und sind diskutierbar — deshalb steht jeder Indikator auch einzeln da.
02 — Über alle geprüften Formulare

Der Durchschnitt

03 — Die Rangliste

Die auffälligsten Formulare

ScoreKennungFormularFelderPflichto. ErklärungGruppenRegeln
04 — Ehrlich dazu

Was das nicht beweist

Ein hoher Score heißt nicht, dass ein Formular schlecht gestaltet ist. Manche Verfahren sind fachlich einfach umfangreich, und ein Schema kann lokal angereichert werden, bevor daraus ein echtes Formular wird — Erläuterungen und Bedingungslogik können also an anderer Stelle nachkommen.

Was die Zahlen belegen, ist enger und trotzdem unangenehm: An der Stelle, an der die Verwaltung ihre Formulare bundesweit standardisiert, fehlt bei rund der Hälfte aller Felder die Erläuterung, und bei der Mehrzahl der Formulare fehlt jede maschinenlesbare Regel. Wer darauf aufbaut, erbt beides.

Der nächste Schritt ist deshalb kein größerer Datensatz, sondern ein Vergleich: dieselbe Aufgabe einmal im bestehenden Onlinedienst, einmal mit Begleitung — und dann messen, wo Menschen tatsächlich hängenbleiben. Bis dahin gilt hier nur, was im Schema steht.

05 — Zum Mitnehmen

Der Datensatz

Was hier gezählt wird: alle 1.314 amtlichen Formularschemata des Registers — einschließlich 437 Entwürfen, 111 inaktiven, 72 Referenzschemata und 34 Dubletten. Wir rechnen nichts heraus, um die Zahlen besser aussehen zu lassen. Genau ein Schema ist ausgenommen: der Baukasten S60000011, laut eigener Definition „alle harmonisierten und abstrakten Baukastenelemente“ — ein Katalog, kein Formular. Aufgelöst wären das 11.594 Feldverwendungen, die jede Kennzahl verzerren würden.

Ein Befund, den man nicht nachrechnen kann, ist eine Meinung. Deshalb liegt hier alles offen — nicht als Bild, sondern als Daten, mit denen man arbeiten kann.

Tabelle herunterladen (CSV) Vollständige Daten (JSON)

Die CSV öffnet sich in Excel, LibreOffice oder Numbers: eine Zeile je Formular, mit Kennung, Feldzahl, Pflichtfeldern, fehlenden Erläuterungen, Regeln und Rechtsbezug. Die JSON-Fassung enthält zusätzlich die Einzelindikatoren und die Erhebungsmetadaten — einschließlich der Abrufe, die gescheitert sind, und warum.

Nutzungsrechte: Die erhobenen Messwerte stellen wir unter CC0 1.0 zur Verfügung — gemeinfrei, ohne Bedingungen, ausdrücklich auch für Behörden, Hersteller und Wettbewerber. Namensnennung freut uns, ist aber nicht verlangt. Die zugrunde liegenden Schemata stammen aus dem FIM-Schema-Repository der FITKO und unterliegen deren Bedingungen; wir veröffentlichen hier unsere Messung, nicht deren Inhalte.

Erhoben mit offenem Quelltext (audit.py), damit jede Zahl reproduzierbar ist. Wer eine andere Gewichtung für richtig hält, kann sie einsetzen und bekommt eine andere Rangfolge — das ist beabsichtigt.